Kino immer anders

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Timothy Treadwell verbrachte dreizehn Sommer mit seinen Freunden in Alaska, darunter Mr. Chocolat, Aunt Melissa und Sergeant Brown. Bemerkenswerterweise handelt es sich hier nicht um Geschöpfe der menschlichen Spezies, sondern um flauschige Grizzlybären. Treadwells selbstauferlegte Bestimmung war die des „Kind Warriors“: Ein kühner Beobachter mit Sensibilität, der sich für den Schutz der wilden Tiere einsetzt. Zuweilen vergass er seine menschliche Abstammung und wurde zum tapferen Samurai, der im Falle einer intensiven Bärenbegegnung sein Leben verteidigen wollte. Gerade dieser Glaube sollte ihn im Frühherbst 2003 das Leben kosten.

Aus über hundert Stunden Videomaterial, die Treadwell während seiner Aufenthalte gedreht hat, destilliert Werner Herzog spektakuläre Bilder. Er bricht mit der egomanischen Perspektive Treadwells, indem er Interviewsequenzen von Eltern, Freunden, Bärenforschern, Umweltschützern und einem Gerichtsmediziner einstreut und in gewohnt Herzog’scher Manier kommentiert. Und so wurde der „Found-Footage-Film“ mit insgesamt 12 Auszeichnungen belohnt. Eine herausragender Dokumentarfilm, weniger über Bären, dafür vielmehr über Einsamkeit und Liebe zur Wildnis!

Stéphanie Meier


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