Kino immer anders

2015-2 Jesus Christ Superstar

Was ändert sich am Christentum, wenn Jesus & Co. singen, Judas dunkelhäutig ist und die Schauspieler zu Beginn des Films sichtbar in ihre Rollen schlüpfen? Ganz schön viel, wie ich meine. Und dies, obwohl die Handlung inhaltlich lediglich in Details von der biblischen Vorlage abweicht.

Im Gegensatz zur Heiligen Schrift gewinnt das Musical durch Musik und in der Inszenierung weitere Deutungsebenen, welche die Wichtigkeit des Wortes konkurrieren und relativieren. So transportiert der siebziger Jahre Funk/Rock von Andrew Lloyd Webber Judas Verzweiflung, Maria-Magdalenas Liebe oder Jesus Schmerz auf ganz eigene Weise – wenn auch ab und an mit einer deftigen Prise Pathos. Die filmische Umsetzung lässt die Bühnen- Musical noch gut erkennen und zeichnet gerade die Machtfiguren mit einem eigentümlichen Schalk. Insbesondere Herodes wird nahezu der Lächerlichkeit preisgegeben, was die politische Dimension des Filmes offenbart, die sich überall zwischen den Zeilen wiederfindet. Jesus Christ Superstar ist vielschichtig und wurde nicht umsonst 2012 von den Lesern der Huffington Post zum besten Jesus-Film aller Zeiten gewählt. Er hat nichts von seinem Charme und seiner Aktualität eingebüsst.

Benno Meyer


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