Kino immer anders

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Da steht er und spuckt Speichelbällchen vom Balkon herunter. Mit gekrümmtem Rücken, unaufhörlich schniefend und trotz der Kälte nur mit einem T-Shirt bekleidet, wird der begriffsstutzige Jong-du nach zweieinhalb Jahren aus dem Gefängnis entlassen. In der Zwischenzeit ist seine Familie umgezogen ohne ihm eine Adresse hinterlassen zu haben. Als es schliesslich zum Wiedersehen kommt, scheint niemand besonders begeistert über seine Rückkehr zu sein. Ebenso wenig wie für den 28-jährigen Jong-du gibt es auch für die körperlich behinderte Gong-ju keinen Platz in der Gesellschaft. Von ihrer Familie weggesperrt und vernachlässigt fristet sie ein einsames Dasein in der kleinen Stadtwohnung ihres Bruders. Zwischen den beiden Aussenseitern entsteht eine Liebesbeziehung, die an Unmöglichkeit grenzt.

Oasis ist ein ungewöhnlicher Film über eine Liebe unter erschwerten Bedingungen, die zuweilen zum Wegschauen zwingt und dennoch märchenhaft zu erzählen vermag. Ein Film von grosser Intensität und schauspielerischer Höchstleistung, der berührt und nachdenklich stimmt.

Eva de Neuville


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