Kino immer anders

Tabu

Die Rentnerin Pilar verbringt ihren Ruhestand in Lissabon damit, Gutes zu tun und anderen zu helfen. So kümmert sie sich auch um ihre exzentrische Nachbarin Aurora, eine alte Dame, die ihre Zeit damit verbringt, Geld in Casinos zu verspielen und ihre kapverdische Haushälterin unfair zu behandeln. Als sie im Sterben liegt, bittet sie Pilar, einen gewissen Gian Luca aufzusuchen. Dieser bringt ein unbekanntes Kapitel aus Auroras Vergangenheit in einer portugiesischen Kolonie in den 60ern ans Licht.

Ist der erste Teil von Tabu mit dem Titel „Das verlorene Paradies“ noch gewöhnlich erzählt, experimentiert Regisseur Miguel Gomes, in der zweiten Hälfte „Paradies“, mit der Ästhetik des Stummfilms. Konversationen zwischen Menschen sehen wir nur, können sie aber nicht hören, gewisse Umgebungsgeräusche dagegen schon. Das Geschehen spielt sich gänzlich in der Erinnerung von Gian Luca ab, der als Erzähler fungiert. Dementsprechend ist die Vergangenheit leicht surreal, spielerisch-melancholisch und von Sehnsüchten durchzogen – ein wunderschön inszenierter Film.

Federico Chavez


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