Kino immer anders

WHO'S AFRAID OF VIRGINIA WOOLF-001-(1000040717)

Der zynisch gewordene Geschichtsprofessor George und seine nicht minder verbitterte Alkoholiker-Ehefrau Martha laden ein junges Akademikerpaar zu sich nach Hause ein. Vor den Augen des naiv-optimistischen Paares liefern sich die Alten ein Psychoduell der Vorwürfe und Erniedrigungen, wobei es nicht bei der Vorführung bleibt, sondern das junge Paar mehr und mehr in die Machtkämpfe der Gastgeber involviert wird. Dabei gibt es kein Entrinnen und das jugendliche Glück scheint am alten Unglück zu zerbrechen.

Folgt man der gängigen Darstellung der Liebe als ein Zustand der Harmonie, des unbedingten Respekts und des totalen Glücks, so ist dieser Film das Gegenstück dazu. Die Bilder der Liebe sind heute mehr denn je geniess- und konsumierbar geworden. Liebe ist der Weichspüler der Populärkultur. Was uns aber hier um die Ohren knallt, ist die Spannung eines Konflikts als erotische Molotovcocktail und genau nicht dieses eingeebnete Bild der Liebe. Beide Protagonisten entfachen sich noch am Anderen des Anderen und nicht bloss an sich selbst im Anderen. Liebe ist nicht nur schön, sie schmerzt auch.

Emanuel Signer


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