Kino immer anders


Pink sitzt wie gelähmt in einem Hotelzimmer in Los Angeles und starrt ausdruckslos auf einen flackernden Fernsehbildschirm, während er sich aus der Realität zurückzieht. Er ist ein Rockstar am Rande des Zusammenbruchs, der sich aus den Traumata seiner Vergangenheit, dem Verlust seines Vaters im Krieg, einer erstickend beschützenden Mutter und der Grausamkeit des britischen Schulsystems – akribisch eine psychologische Mauer aufgebaut hat. Im Verlauf der Geschichte und mit dem Setzen der letzten Steine verwandelt sich Pinks Isolation in einen drogeninduzierten Fiebertraum, in dem seine Identität zerbricht und seine Bühnenpersönlichkeit sich in einen furchterregenden, faschistischen Demagogen verwandelt.

Obwohl der Film von Alan Parker inszeniert wurde, dient er in erster Linie als Manifestation von Roger Waters‘ Konzeptalbum aus dem Jahr 1979. Die Musik unterstützt nicht die Geschichte, sie ist das Drehbuch selbst. Waters kanalisierte seine eigene Desillusionierung und Entfremdung von seinem Publikum in eine Rockoper, die ebenso persönlich wie nihilistisch ist. Die wiederkehrenden Motive und die progressive Struktur des Albums bestimmen den Rhythmus des Films, der zwischen Momenten akustischer Verletzlichkeit und massiver, theatralischer Aggression wechselt. Durch die direkte Übertragung des Konzeptalbums auf die Leinwand übernimmt der Film die Bedeutung, die normalerweise dem Dialog zukommt, und überlässt sie den Texten und David Gilmours Gitarrenspiel. Er dient als visueller Begleiter des Albums und konzentriert sich ganz auf die inneren Mechanismen eines Nervenzusammenbruchs.

Tonino Huser


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