Inu-Oh spielt im Kyoto des 14. Jahrhunderts und handelt von der Freundschaft zwischen Inu-Oh, dem verfluchten Sohn einer berühmten Tänzerfamilie, und Tomona, einem blinden Biwa-Priester, der von seiner Vergangenheit verfolgt wird. Gemeinsam erfinden sie die Aufführung der Heike-Legenden neu und verwandeln höfische Rezitationen in Rockshows. Ihr Aufstieg spiegelt den einer Newcomer-Band wider: improvisierte Bühnen, ekstatische Menschenmengen und Darbietungen, die sich sowohl der politischen Macht als auch der kulturellen Tradition widersetzen und zu einer der grössten und spektakulärsten Aufführungen in der Geschichte des feudalen Japans führen.
Masaaki Yuasa hat sich mit Animationsfilmen einen Namen gemacht, die sich wie Musik anhören. In seinen Filmen behandelt er Klang, Rhythmus und Bewegung stets als eine einzige Ausdruckskraft. Inu-Oh ist vielleicht sein musikalischstes Werk: eine historische Fantasie, die das mittelalterliche Japan durch die Sprache des modernen Konzertfilms neu interpretiert.
Der Film ist ein musikalischer Hybrid: Traditionelle Instrumente wie die Biwa koexistieren mit treibenden Basslinien, E-Gitarren-Texturen und Rhythmen, die aus Rock, Punk und zeitgenössischer Popmusik entlehnt sind. Der Soundtrack wird durch den Gesang von Avu-Chan, einer japanischen Sängerin und Stimme von Inu-Oh, vervollständigt.
Die Darbietungen in diesem Film sind wie Live-Konzerte inszeniert, komplett mit Menschenmassen und viszeraler Körperlichkeit. Yuasa verwendet Animation, um den Klang selbst zu visualisieren: Körper verlängern sich, Räume zerbrechen und Geschichte beugt sich dem Rhythmus, was zu einem Film führt, der Musik als gemeinsames Erlebnis behandelt.
Amos Herz