Kino immer anders


Der Film spielt im Bengalen des frühen 20. Jahrhunderts und handelt von Biswambhar Roy, einem zurückgehenden Grundbesitzer, der an seiner aristokratischen Vergangenheit festhält. Trotz seines finanziellen Ruins bleibt Roy von Musik und Tanz besessen und weigert sich, die Traditionen seines Standes aufzugeben. Angespornt durch den neuen Musiksaal seines wohlhabenden Nachbarn verkauft Roy den Schmuck seiner Frau, um eine letzte grosse Kathak-Aufführung zu veranstalten. Der Abend ist ein Triumph, der seinen Stolz kurzzeitig wiederherstellt – nur um seinen letzten, flüchtigen Moment des Ruhms zu markieren.

Die klimatische Kathak-Aufführung von Roshan Kumari ist nicht weniger als atemberaubend. Zudem vereint der Film  bemerkenswerte Persönlichkeiten der klassischen indischen Musik: Der legendäre Sitarspieler Vilayat Khan wirkte als Musikdirektor mit, und die renommierte Sängerin Begum Akhtar tritt in einer seltenen Gesangsdarbietung auf. Im Musikzimmer spiegeln die sanft schwingenden Kronleuchter und der grosse Spiegel hinter den Darstellern still den Stolz, die Eitelkeit und den Niedergang des Grundbesitzers wider. Dennoch wirkt der Film nie auf diesen Raum beschränkt. Ausserhalb der Villa erstreckt sich eine von Überschwemmungen verwüstete Landschaft,  in eindrucksvollen Bildern festgehalten – von einem Insekt, in einem Glas eingesperrt, über ein durchs Land galoppierendes weisses Pferd, bis hin zu einem weit entfernten Elefanten. Der Film in der verlassenen und überfluteten Landschaft aussen, mit seinen eindrücklichen Tier- und Naturaufnahmen, beweist ein Raumverständnis an der Spitze der gesamten Filmkunst.

Takumi Tachibana


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