Kino immer anders


Im Polen der Nachkriegszeit begegnen sich ein Mann und eine Frau in einem neuen nationalen Volksmusikensemble – der eine ist Dirigent, die andere eine talentierte junge Sängerin. Schnell entwickeln sie durch die Musik eine besondere Verbindung zueinander, werden aber durch ihre Umstände erneut auseinander gerissen. Was folgt, ist die Geschichte zweier gebrochener Seelen, die versuchen ihre Wunden zu heilen, in einer Welt, die ihnen dies jedoch verwehrt.

Auf technischer Ebene ist Cold War eine Weiterentwicklung von Pawlikowskis vorherigem Film Ida, indem er seinem einzigartigen Stil des 4:3-Schwarzweissbilds Bewegung hinzufügt. Pawlikowski lässt seine Bilder atmen, jedes einzelne ist meisterhaft arrangiert und mit grosser Sorgfalt montiert, was diesen Film zu einem der schönsten macht, die je in der Filmstelle gezeigt wurden.

Die Musik in Cold War spielt die Rolle der dritten Figur eines Liebesdreiecks. Bewegt tanzen die Figuren durch das Nachkriegseuropa, von  Warschau nach Ost-Berlin, von Jugoslawien nach Paris. Obschon die Musikszenen ein absoluter Genuss für die Ohren sind, weiss Pawlikowski genau, die wichtigsten Momente in Stille verstreichen zu lassen. Die Blicke der Figuren treffen sich, begleitet nur vom Zirpen der Grillen und dem Wind, und man fragt sich, welche Musik wohl in ihren Köpfen spielt.

Christoph Bärtsch


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