Cinema simply different

BREAKING HABITS

Alle wissen, wie es geht, alle tun es: Geschichten erzählen. Wir zeigen, wie es anders geht. Das Medium Film muss sich nicht an das «Und dann…» einer traditionellen Narration halten, um eine Geschichte zu erzählen. Und genau solche Filme führen wir Euch dieses Frühjahr zu Gemüte.

Auf mehreren Ebenen verwebt Serkalo, Tarkowskis Perle des sowjetischen Kinos, autobiografische Erinnerung mit dem kollektiven Gedächtnis der Zeit zu einem beeindruckenden und poetischen Zeitdokument. Die Trouvaille Travellers and Magicians besticht neben der vielschichtigen Geschichte über den Traum des fernen Glücks mit eindrücklichen Bildern der Berglandschaft Bhutans. Dass sich das Rad der Zeit nicht zurückdrehen lässt, zeigt Lady Vengeance, ein imposantes Rache-Epos aus Korea. Untermalt von leichtfüssiger Barockmusik zerschellt die Narration in einzelne Fragmente. 99 Francs erzählt die Geschichte des PR-Mannes Octave, dessen Abstieg in die Fiktionen der Werbewelt visuell und inhaltlich reflektiert wird.
Eine andere Seite des filmischen Erzählens liegt in der Symbolik der gezeigten Bilder. Auf die Spitze getrieben wird dies von The Holy Mountain, einem spirituellen Selbst(er)findungstrip von Alejandro Jodorowsky. Auch Drowning by Numbers spielt mit Symbolen und weckt die Suchfreude der Zuschauer, Kurzweile garantiert.
Die Kamera wiederum spiegelt den Blick des Zuschauers und lässt sich subjektiv vereinnahmen. Dies wird in Le Scaphandre et le Papillion vorgeführt, der grossteils aus der Perspektive des mit dem Locked-in-Syndrom geschlagenen Jean-Do Bauby gefilmt ist – ein gleichermassen eindrückliches wie bedrückendes Erlebnis. Die Gewalt filmischer Bilder wird am deutlichsten in Gaspar Noés Irréversible spürbar; kaum auszuhalten und dennoch äusserst sehenswert. You, the Living beweist, dass es für einen wundervollen Film weder einen Protagonisten noch Plot braucht. Die losen Episoden aus dem Leben verschiedener Menschen einer schwedischen Kleinstadt verströmen viel nordischen Charme und einen Tropfen Schwermut.
Die Filmstelle bietet eine grosse Bandbreite an Filmen, ältere und neuere, lustige und betrübende, aber immer, so hoffen wir, mit einem einmaligen Erlebnis verbunden. Und das ist es, was Kino letztendlich ausmacht.
Benno Meyer, Programmationsleitung Filmstelle


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