Kino immer anders


Coda ist nicht nur ein Porträt von Ryuichi Sakamoto, sondern eine Meditation oder vielmehr eine Improvisation über die Natur des Klangs selbst, durchwoben von seiner genreübergreifenden Musik. Regisseur Stephen Nomura Schible folgt Sakamoto durch die Dämmerung seines Lebens, eine von Krankheit überschattete Zeit, die dennoch von einer beinahe kindlichen Ehrfurcht vor dem Entdecken geprägt ist.
Vor der Kamera steht ein Musiker, der versonnene Filmmusik und Form übergreifende Kompositionen geschaffen hat, während er zugleich von der Musik selbst geformt wurde. Nun gleiten seine Finger über die Trümmer eines von der Fukushima-Katastrophe ertrunkenen Klavier, und finden Musik in dem, was andere ein Wrack nennen würden.

Die Dokumentation bewegt sich mit der selben Anmut, wie ihr Protagonist und lässt Raum für die Betrachtung von Dualitäten: Leben und Sterblichkeit, Ausgeglichenheit und Ruhelosigkeit, Natur und Moderne. Sakamoto reflektiert über die Vergeblichkeit unseres Kampfes gegen Zeit und Natur, denn es sind gerade diese beiden, die all das erschaffen, was menschlich ist, all das, was Musik ist. Seine Neugier verwandelt Katastrophe in Komposition, und seine Weisheit findet in der Natur die wandelbare Beständigkeit von Leben und Musik.
Was entsteht, ist ein Film, der Musik als Ausdruck der Existenz begreift. Geleitet von Sakamotos Worten und Schibles Linse werden wir daran erinnert, dass tief zuzuhören, in Fülle zu leben bedeutet.

Maide Cebi


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