Temporär im Kino Riffraff


Im Frühling des Jahres 2003 wird dem 26-jährigen Aron Ralston im Canyonlands National Park in Utah bei einem Kletterunfall von einem herabstürzenden Felsbrocken der Unterarm eingeklemmt. Chancenlos, seinen eingekeilten Unterarm zu befreien, verbringt Ralston, den unwirtlichen Bedingungen der Wüste ausgesetzt, über fünf qualvolle Tage in einer Felsspalte, bevor er sich dehydriert für den einzig übriggeblienenen Ausweg aus seiner Gefangenschaft entscheidet und nach dem zusätzlichen Herabsteigen über eine gut 20 Meter hohe Felswand und einem fast 13 Kilometer langen Fussmarsch sein Leben retten kann.

Nach Slumdog Millionare, der oscar-gekrönten, in der Millionenmetropole Mumbai spielenden Mischung aus Drama und Romanze, ist 127 Hours Danny Boyle’s zehnter Film. Dabei ist mit einem menschenleeren Canyon als Schauplatz das neueste Werk des britischen Regisseurs, der unter anderem das Junkie-Epos Trainspotting schuf, ein ziemlicher Kontrast zu seinem Vorgänger. 127 Hours ist gewissermassen eine Ein-Mann-Show, wobei James Franco, vielen als Harry Osbourne aus der Spiderman-Reihe bekannt, eine glaubhafte Darstellung gelungen ist.

Danny Boyle inszeniert 127 Hours als Actionfilm, was bei einem Film, in dem sich der Grossteil der Story in einer klaustrophobischen Felsspalte abspielt, nicht gerade naheliegend ist. Parallel verlaufende Handlungsstränge gibt es dabei keine, womit der Zuschauer nie von Aron weicht, auch nicht als dieser nach dem Kletterunfall eingeklemmt in der Felsspalte liegt. Spannung ist jedoch durchgehend vorhanden. Im ersten Teil sieht man Aron wie er, sich unaufhaltsam dem Absturz nähernd, äusserst temporeich radelnd, rennend und von Fels zu Fels hüpfend durch den Canyon jagt. Als er zwei andere Wanderinnen trifft bleibt nur kurz Zeit für ein paar Sprünge in einen kleinen unterirdischen See und schon gehts weiter. Rasante Kamerafahrten, die mit schnellen Schnitten und gelegentlich über Split Screen aneinandergefügt sind und die auch mal mit Blubbergeräuschen unterlegt durch den Trinkschlauch von Arons Wasserbehälter führen, beherrschen das Bild. Nach dem verhängnisvollen Sturz in die Felsspalte kommt die Kamera jedoch zum Stillstand und bewegt sich für längere Zeit nur noch mit Nahaufnahmen um Aron herum. In diesem zweiten und eigentlichen Hauptteil des Films versucht Boyle nach eigener Aussage die Einsichten aufzuzeigen, welche der echte Aron Ralston in der Einsamkeit des Canyons hatte und welche ihm schliesslich den Mut zu seiner Befreiung gaben. Ab hier bezieht der Film die Spannung aus dem langsamen Zuspitzen der misslichen Situation und vorallem aus Arons schrittweiser Annäherung an die Bereitschaft, sein Leben zu riskieren, um es schlussendlich zu retten.

Lukas Keller


Weitere Filmkritiken