Temporär im Kino Riffraff


Die Eröffnung der 62. Ausgabe des Filmfestivals Locarno machte die romantische Komödie 500 Days of Summer von Marc Webb. Nach einer etwas holprigen, aber umso charmanteren Begrüssung auf italienisch erklärt der Regisseur, wie er nach Musikvideos und Dokumentarfilmen nun plötzlich dazu gekommen ist, eine romantische Komödie zu machen: Drei Wochen habe das Drehbuch von Michael H. Weber und Scott Neustadter bei ihm ungelesen rumgelegen, der Titel sei ihm jedoch nicht aus dem Kopf gegangen. Schliesslich habe er sich rangewagt und schnell das Gefühl bekommen, dass es sich nicht um eine gewöhnliche Liebesgeschichte handle.

Der verträumte Tom trifft die hübsche Summer und verliebt sich sofort in sie, ihre Beziehung dauert 500 Tage, dann verlässt ihn Summer. Wie es ausgeht, wissen wir schon von Anfang an. Wie es angefangen hat, erzählt uns Tom Hansen so sprunghaft und unchronologisch, wie das Gedächtnis eines jeden (verliebten) Menschen funktioniert. Von der ersten Begegnung, als die unwiderstehliche Summer eines Tages in sein leeres Leben und in das trostlose Grossraumbüro der Grusskartenfirma tritt, bis zum bitteren Ende verfolgen wir die Beziehung. Während Tom nach den ersten Wochen auf Wolke 7 am auseinanderfallenden Paradies beinahe zerbricht, behält seine junge Schwester einen kühlen Kopf und berät ihn in Liebesdingen. Die Kleine beeindruckt und verleiht dem Film die nötige Prise Pragmatik.

Was das Paar schlussendlich auseinander bringt, ist kein schwerer Schicksalsschlag und es sind auch keine Ferien, die zu Ende gehen. Summer liebt Tom einfach nicht. Das ist schade und ich habe mit Tom gelitten, aber im Grunde genommen war mir die geheimnistuerische Summer Finn im Mauerblümchenlook sowieso nie so wirklich sympathisch und schlussendlich bin ich froh, dass der arme Tom Hansen mit dem treuherzigen Hundeblick sie los ist.

Der Eindruck, den 500 Days of Summer nach einer einmonatigen Verdauungsphase bei mir hinterlässt, ist nicht so tiefgreifend, wie man es von einem Film erwartet, der anscheinend so anders ist alles alle anderen. Er ist und bleibt eine leichte, romantische Komödie. Trotzdem war ich gut unterhalten und erfreute mich an den teils überraschenden und spritzigen Szenen. 500 Days of Summer ist ideal für einen lauen Abend im Spätsommer, drum gehet, schauet und amüsieret euch!

Barbara Fritzsche


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