Temporär im Kino Riffraff


Wach bleiben oder grausam sterben, so lautet das Leitmotiv dieses Horrorfilms. Der von Wes Craven 1984 inszenierte Klassiker fand seine Fortsetzung in 8 Filmen (u.a. „Freddy vs. Jason“). „A Nightmare on Elm Street“(2010) ist der 9. Film rund um das stahlklauige Monster Freddy Krueger und ist zugleich Remake des gleichnamigen Originals von 1984. Freddy Krueger sucht seine Opfer in deren Albträumen heim. Tötet er sie dort, sterben sie auch im realen Leben. Und so zieht er mit gewetzten Klingen durch die Traumwelten der Protagonisten und ermordet sie erbarmungslos einen nach dem andern.

Die Hauptfigurenanordnung dieser neusten Produktion gleicht ein wenig Katie Holmes‘ Clique aus „Dawson’s Creek“, wobei man behaupten darf, dass in diesem Horrorfilm die Charaktere noch deutlich blasser bleiben als in der früheren Teenie-Serie. Nach und nach entdecken die fünf Schüler, dass sie alle dieselben Albträume haben, in denen ihnen Krueger dicht auf den Fersen ist. Sie erfahren von einer gemeinsamen, in Vergessenheit geratenen Vergangenheit und einem damit verbundenen dunklen Geheimnis, das ihre Eltern bis heute hüteten. Die Entdeckung des Geheimnisses soll, so scheint es, die einzelnen Schockmomente zu einer Geschichte verbinden und dem Film eine gewisse Tiefe verleihen, was nicht richtig gelingen will.

So klischeehaft wie die erste Einstellung in strömendem Regen vor einem heruntergekommenen amerikanischen Diner den Film eröffnet, so vorhersehbar gestaltet sich der weitere Filmverlauf. Neben den eindimensionalen Figuren und der für jeden Zuschauer, der schon mal einen Horrorfilm sah, leicht vorhersagbaren Story, sind auch die Dialoge dieses Remakes enttäuschend flach. Der in früheren Sequels zumindest noch teilweise vorhandene schwarze Humor ist höchstens in Ansätzen (und dies auch nur wohlwollend betrachtet) existent. Man erhält den Eindruck, es handle sich lediglich um eine gut kalkulierte Franchise, die als Film wohl lediglich noch Anhänger des amerikanischen Durchschnitts-slasher movies bedient und unterhält, ohne Ecken und Kanten, ohne zu überraschen.

Der in den Träumen unverwundbare, da in seiner Welt agierende Krueger wird zum finalen Kampf am Schluss in die Realität gelockt und (vermeintlich?) zur Strecke gebracht.

Wach bleiben heisst die Devise. Wach bleiben, um sich das Leben zu retten. Dies bedeutet aber auch den bitteren Kampf mit sich selbst, gegen den eigenen Körper, gegen ein grundlegendes menschliches Bedürfnis – zu schlafen. Der Schlaf bedeutet hier nicht Flucht, sondern das genaue Gegenteil; Verhängnis und Falle. Damit hat sich Wes Craven 1984 ein spannendes Gebiet ausgesucht und es damals auch dementsprechend verwertet. Dies kann vom heutigen Remake leider nicht behauptet werden. Und so heisst es denn auch für alle Horrorfilm-Gänger mit grösseren Erwartungen: Wach bleiben! (Auch wenn es stellenweise zum Gähnen ist.) Und sich am Ende über den augenzwinkernden Schlussong „All I have to do is dream“ von den Everly Brothers zu freuen.

Léa Zürcher


Weitere Filmkritiken