Temporär im Kino Riffraff


Ein Paar verliert auf tragische Weise ihr Kind. Er, ganz der Psychiater, bewältigt den Verlust mittels klinischer Verarbeitungsmechanismen, während sie immer tiefer in die Misere versinkt und laut Ärzten untypische Trauermuster zeigt. Nichts desto trotz findet er (ja, sie haben keine Namen), er kenne sie am besten und will sie daher selbst therapieren.  Doch die Dinge verschlechtern sich, bis er schliesslich dem Übel auf den Grund gehen will, indem er sie mit ihren tiefsten Ängsten konfrontiert. Diese verbergen sich an einem Ort tief im Wald, der „Eden“ heisst. Dort verbrachte sie den letzten Sommer mit ihrem Kind, während sie an ihrer unheilgetränkten Dissertation arbeitete. Im Wald angekommen, merkt er schon bald, dass hier mehr am Werk ist als nur ein ungewöhnlicher Trauermechanismus seiner Frau. „Die Natur ist die Kirche Satans“, erklärt sie ihm und er – Satan – ruft: im Wind, in den Bäumen und durch ihren Wahnsinn, der sich langsam auch auf Ihn auszubreiten droht.

Was grundsätzlich nach einem unheimlichen und wahrhaft beklemmenden Szenario klingt und zudem in den Händen von Triers zu einer Zerreissprobe der visuellen wie psychischen Nerven werden sollte, verkommt leider schon in den ersten Minuten zu einem traurigen Schatten dessen, was hätte sein können. Der Film will provozieren und präsentiert zu Beginn die schicksalshafte Todesnacht des Kindes in schwarzweiss, indem der Zuschauer zum Voyeur  eines Pornos gemacht wird, den niemand so richtig sehen will. Der Film stösst den Zuschauer so auf Distanz, welche dem Folgenden nicht gerade zugute kommt.

Der Weg des Paares vom Regen in die Traufe bekommt, mangels Mitgefühl  der Zuschauer, einen leicht lachhaften Nebengeschmack. Halb verweste sprechende Füchse sind entsprechend eher lustig als unheimlich. Das Grusligste am Ganzen ist, wie der Film immer noch verrückter wird, bis schliesslich der Höhepunkt des Wahnsinns schmerzhaft lächerlich in einem Fuchsbau und zu Erden gekommenen Sternbildern – die es in Wahrheit auch im Himmel nicht gibt – endet.  Beim Verlassen des Kinos quält einen die Frage, was hier gerade geschehen ist und man ärgert sich über die Sinnlosigkeit des anfangs mobilisierten Adrenalins, das dann nicht gebraucht wurde. Ein Film, der vorgibt der unheimlichste des Jahres zu sein und dann doch eigentlich nichts weiter als ein leicht abscheuliches und auch noch unfreiwillig komisches Drama ist, kann beim besten Willen nicht als sehenswert bezeichnet werden. Man erspare sich die Qual!

Eliane Knecht


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