Kino immer anders


Das Höllentor am Kunsthaus Zürich hat mich dazu bewogen diesen Film über Auguste Rodin anzuschauen. Rodin, der bedeutende Bildhauer, der als Wegbereiter der Moderne gilt, hat dieses unglaubliche Kunstwerk geschaffen. Zuckende Leiber, verzweifelte Gesichter, eingepfercht in dieser stählernen Tür, zwischen Leben und Tod, starr und doch scheint alles lebendig. Diese Zwischenwelt eingegossen in Bronze, muss man gesehen haben. Beim Film Rodin allerdings würde ich das nicht behaupten. Von so viel Lebensdrang, Verzweiflung und Lust, scheint im Künstlerprotrait nur noch ein fahler Nachgeschmack übrig zu sein.

Da plätschert Leidenschaft, Jähzorn, Melancholie, Eifersucht und Verzweiflung dahin, als würde es sich um einen Film für Herzinfarkt gefährdete Rentner handeln. Eigentlich erwartet man das von einem Künstlerportrait um die Jahrhundertwende eher weniger: Damals als die Musen den Artisten zu Füssen lagen und das Künstlergenie hochgejubelt wurde. Zudem scheint mir Rodin (Vincent Lindon) sehr unsympathisch, nachdem ich den Film gesehen habe. Seine cholerische Natur und widersprüchliche Person steht ganz im Zentrum.

Da der Protagonist kein Sympathieträger ist, werden die Persönlichkeiten von Camille Claudel und der Ehefrau von Rodin, Rose, umso interessanter. Man fragt sich, was die Frauen dazu bewogen hat mit so einem cholerischen Kauz zusammen leben zu wollen. Camille Claudel, war seine Schülerin, Muse und Geliebte. Der Film lässt sie (Izïa Higelin) als Nebenfigur aber durchgehend im Hintergrund. Wie sehr diese Frau gelitten haben muss, wie talentiert, leidenschaftlich und eigenwillig sie gewesen sein muss, lässt dieser Film nur erahnen. Die seichte Unterhaltung wirkt schon fast surreal, ob der Tragödien die sich eigentlich abgespielt haben müssen. Dasselbe bei Rose (Séverine Caneele), Rodins langjährige Gefährtin, die er lange verschmähte und erst in seinen Sterbejahren geheiratet hat.

Ihren gemeinsamen Sohn, hat er offiziell nie anerkannt. Die schwierige Dreiecksbeziehung zwischen Camille, Rodin und Rose, ein verschmähter Sohn, das Ringen um Anerkennung Rodins in der Kunstwelt, die Abtreibung von Camilles Kind, ihre unglückliche Karriere im Schatten von Rodin, was will man mehr um ein Leben eines Künstlergenies fulminant und spannend filmisch zu inszenieren, könnte man meinen, aber dafür fehlt dem Film eindeutig die Spannung. Da helfen auch die akrobatisch verdrehten Körper der blutjungen Modelle nichts mehr.

Gefilmt wurde solide von Regisseur Jaques Doillon, die Bilder sind schön, die Schauspieler beherrschen ihr Handwerk vorzüglich, gerade das Spiel der Frauen macht eigentlich Lust auf mehr von ihrer Welt zu erfahren. Als leichte Unterhaltung im Fernsehprogramm am Sonntagnachmittag, würde das Ganze sicher funktionieren, nicht aber im Kino und nicht für mich, da schau ich mir lieber das Höllentor an.

Franziska Merz


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