Kino einfach anders


Nina hat es geschafft: Sie darf die Hauptrolle in einer Neuinszenierung von Tschaikowskys berühmten Ballet Schwanensee spielen. Sie – die Perfektionistin – trainiert hart, um der anspruchsvollen Rolle gerecht zu werden. Dennoch ist der Regisseur unzufrieden: Er will, dass die brave und fleissige Nina aus sich herausgeht, Temperament und Leidenschaft zeigt. So beginnt er, sie zu verführen und zu provozieren, um das Feuer aus ihr herauszulocken. Der ganze Druck und die Verunsicherungen aus ihrem Umfeld bleiben nicht ohne Folgen. Sie scheint immer mehr den Bezug zur Realität zu verlieren und steigert sich vor allem in die paranoide Vorstellung, dass eine ihrer Kolleginnen ihr die Rolle wegschnappen könnte. Währenddessen rückt die Premiere immer näher.

Der Film dürfte so manche Erwartungen enttäuschen: Auch wenn es sich nach einem Ballettfilm anhört, so mag man ihn kaum so nennen. Die paar Ballettperfomances, die zu sehen sind, sind nicht der Rede wert und wenn getanzt wird, beeindruckt sowieso eher die filmische Inszenierung. Der Film tut leider oft auch so, als sei er ein Mysterythriller, was ein bisschen in die Irre führt, denn eigentlich ist immer ziemlich klar worum es geht. Vor allem die quasi-Schockeffekte, wie sie auch in jedem beliebigen Horrorfilm durchexerziert werden, sind irgendwie einfallslos und hier vollkommen überflüssig. Man müsste meinen, Darren Aronofsky könnte das besser.

Das kann er sicherlich auch, denn letzten Endes stören solche Kleinigkeiten kaum. Der Film ist hervorragend. Balletthorror vom Feinsten. Der Regisseur hat ja schon in seinen vergangenen Filmen bewiesen, dass er Menschen und ihre Psyche beeindruckend zur Geltung bringen kann (vor allem zu The Wrestler gibt es hier viele Parallelen). Doch in diesem Fall kommt ein Faktor hinzu, der alles nochmal auf ein höheres Niveau hebt, und dieser Faktor hat einen Namen: Natalie Portman. Sie spielt sich als Nina die Seele aus dem Leib und trägt den Film praktisch allein auf ihren Schultern. Jede Wette, dass dies sogar bis zu den Oscarverleihungen durchdringen wird.

Berke Topacogullari


Weitere Filmkritiken