Temporär im Kino Riffraff


Brad (Will Ferrell) ist nicht einfach nur der neue Mann von Sara (Linda Cardellini), sondern auch ein liebevoller Familienmensch. Seine Zeugungsfähigkeit aber ist unglücklicherweise durch einen fehl gerichteten Röntgenstrahl jäh zu Ende gegangen, weshalb er umso mehr ein guter Papa für seine Stiefkinder sein will. Diese sind aber nicht leicht rumzukriegen und sträuben sich gegen so viel Vaterliebe. Die kleine Megan zeichnet ihren Stiefvater gerne in allen Variationen, wie ihn das Zeitliche segnet und der ängstliche Dylan lässt Brad links liegen. Mit der Anleitung zum perfekten Stiefvater arbeitet Brad sich in Richtung Akzeptanz. Sein intensives Bemühen trägt langsam Früchte; Dylan zieht ihn als Berater bei und Megan lädt ihn ein beim Vater-Tochter-Tanz mitzumachen. Seelig sitzt er nun zusammen mit seiner heissgeliebten Familie auf dem Sofa, endlich fühlt er sich als neuer Vater akzeptiert, stolz auf die kleinen Erfolge. Doch da klingelt das Telefon und die Familienidylle scheint erneut bedroht. Es ist der leibliche Vater, die Kinder sind hin und weg und Brad schaut dumm aus der Wäsche. Dusty (Mark Wahlberg), so heisst er, will unbedingt Brad kennenlernen. Schliesslich hat er nichts vom neuen Mann im Leben von Sara, Megan und Dylan gewusst und ist jetzt wild dazu entschlossen seinen Platz im Herzen der Kinder und seiner Ex-Frau zurückzuerobern, koste es was es wolle. Brad ahnt nicht umsonst Böses…

Da freut man sich auf eine gute Lachnummer à la Will Ferrell und kann sich einfach nicht so richtig amüsieren. Vielleicht ist es das Thema an sich, vielleicht ist es aber auch einfach das Drehbuch. Irgendwie ist der Film einfach nicht so lustig wie ich ihn erwartet habe. Von Ferrell bin ich mir beste Unterhaltung gewohnt, als vermeintlicher Knasti auf Probe in Get Hard (2015), 40-jähriger Nesthocker in Step Brothers (2008) oder als Mr. Mugatu in Zoolander (2001). Der Mann hat es echt drauf, dass ich mir vor Lachen in die Hose mache. Das Duo Wahberg / Ferrell kennt man schon aus The Other Guys (2010), wo sie sich als Cop-Buddy-Gespann bestens bewährten. Diese Kombination bleibt auch in Daddy’s Home lustig. Mark Wahlberg als harte Nuss und Will Ferrell als Weichei sind wie geschaffen für eine solche Komödie. Doch der Witz bleibt fahl, die Klischees sind plump und man fragt sich ernsthaft, ob sich Brads Mühe um diese Familie lohnt. Das ist dann auch das Problem. Es geht in diesem Film um aktuelle Themen rund um Männlichkeit, die zu wenig (komödiantisch) verpackt sind, als dass man sie nicht (auf unangenehme Weise) heraus spürt. Der Film hatte so irgendwie etwas Verkrampftes. Der Stiefvater der aussen vor steht, was er auch macht und wie sehr er sich bemüht, der krampfhafte Versuch ein richtiger Mann zu sein, was auch immer das dann bedeutet. Der Film wirft Fragen auf, die eigentlich sehr interessant sind und zeigt Facetten des Vaterdaseins, die mir sehr gefallen haben. Die mangelnde Balance zwischen Humor und Ernsthaftigkeit führte aber dazu, dass ich am Ende weder sonderlich erheitert noch speziell berührt den Kinosaal verliess.

Franziska Merz


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