Temporär im Kino Riffraff


In Freundschaft und Frieden leben die neun französischen Trappistenmönche in Tibhirine mit der algerischen Dorfgemeinschaft zusammen. Ihr ruhiger Alltag im Kloster ist geprägt von Arbeit und Gebet. Doch diese Harmonie wird jäh zerstört, als sich Anschläge von islamistischen Fundamentalisten auf die Bevölkerung häufen. Auch das Kloster, in dem die Leute aus dem Dorf Hilfe in amtlichen Angelegenheiten und medizinische Versorgung erhalten, ist bedroht. Die Regierung rät dem Klostervorsteher Christian, mit seinen Brüdern nach Frankreich zurückzukehren. Dies lehnt Christian jedoch strikt ab und auch eine Protektion seitens der Armee kommt für die Mönche als überzeugte Pazifisten nicht in Frage. Dennoch stösst diese Entscheidung im Kollektiv auch auf ablehnende Haltungen und Verunsicherungen und manch einer beginnt gar, am Sinn seines Daseins für den Glauben, fern des weltlichen, zu zweifeln. Schlussendlich entschliessen sich die Mönche, trotz einer akuten Bedrohung durch die Islamisten, zu bleiben. Aus Liebe und Treue zu Gott und den anderen. Mit Beharrlichkeit und stoischer Ruhe warten sie auf das, was Gott für sie bereithält.

Xavier Beauvois thematisiert mit Des hommes et des dieux einen historischen Konflikt zwischen Frankreich und Algerien in den 90er-Jahren. Dass es ihm dabei gelingt, diese Auseinandersetzung ohne jeglichen aufklärerischen Ansatz zu erzählen, ist nur eine Stärke des Films. Mit viel Respekt und einem feinen Gespür für Zwischentöne und Atmosphäre zeigt der Film das Leben der Mönche. In langen, statischen Einstellungen beobachtet die Kamera diskret die Mönche bei Gebet und Gesang in der Kirche. Jede Einstellung ist mit grösster Sorgfalt komponiert und auch das Spiel von Licht und Farbe tragen zur sakralen Stimmung bei, die für den Zuschauer regelrecht fühlbar wird.

Die Figuren werden trotz ihrer Humanität nicht heroisiert. Die Charakterzeichnung ist vielschichtig und vermag es die innere Überzeugung, den starken Glauben und die Demut ebenso wie auch die innere Zerrissenheit und die Zweifel der Mönche zu zeigen. Ohne jegliche musikalische Akzentuierung und ohne dabei puristisch zu wirken, schafft der Film ein Gesamtbild, das durch und durch stimmig ist. Ein grossartiger Film.

Anja Schulthess


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