Temporär im Kino Riffraff


Ist Venezuela eine Weltmacht? Aus musikalischer Sicht natürlich ja. Aber nicht nur des rhythmischen Geistes des Volkes wegen, sondern auch dank einer einmaligen Organisation die junge Talente fördert. Sie heisst El Sistema und wurde 1975 von dem Musiker, Politiker und Ökonom José Antonio Abreu gegründet.

Bis heute haben 300.000 Kinder aus allen Gesellschaftsschichten von der Musikschule El Sistema profitiert. Diese ist aber in erster Linie ein Instrument der Integration und widmet deshalb besondere Aufmerksamkeit den Kindern der „Barrios“. Aus diesem Grund siedelt sie sich in den ärmsten Landesregionen an. Was anfangs nur ein Traum war, wurde in den Jahren unglaubliche Realität und ist heute eine riesige Kulturmaschine.

Ihre Ensembles sind weltweit bekannt und spielen in den wichtigsten Konzertsälen rund um den Globus wie z.B. Le Salle Pleyade in Paris. Ein Dokumentarfilm über diesen wahr gewordenen Traum war unentbehrlich und wurde dank Unterstützung des westlichen Fernsehens möglich. Ergebnis ist ein Film den es sich im Kino anzuschauen lohnt. Nicht nur, weil dort Musik dank Dolby Tonsystem voll zur Geltung kommt, sondern auch um die poetische Aussicht über Caracas in voller Breite geniessen zu können.

Die Regisseure Paul Smaczny und Maria Stodtmeier führen sensible Interviews, die der Geschichte die richtige Note geben und die Kamera folgt auf guter Distanz. Was den Film aber auszeichnet ist die Montage. Die klassisch zwischen Interview und Lebensmoment alternierende Montage läuft in perfekter Symbiose mit Dramaturgie und Musik. Der Schnitt macht den Film zu einem Kunstwerk, einem Konzert für die Augen.

Nach dem Kinobesuch bleibt das Wissen um die Kraft der Musik welche Leben zu ändern vermag und man könnte glauben, dass eine bessere Welt dank der Kunst möglich sei.

Perla Ciommi


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