Temporär im Kino Riffraff


Würde Ulrik nicht gerade aus einer 12-jährigen Haft wegen Mordes entlassen, man meinte, dieser Mann könne keiner Fliege was zu Leide tun. In einer grauen, tristen Stadt in Norwegen erwarten ihn neben seinen einstigen Ganoven-Kumpanen Jensen und Rolf, die verhärmte Karen, die ältere Schwester von Jensen, welche ihm Unterschlupf gewährt. Alle haben sie schon ihre Pläne mit Ulrik im Hinterkopf. Karen, die ihm Kost und Logis bietet, will im Gegenzug ihren kurzen, aber harten Spass, wüste Anbetungs- und Fluchtiraden inklusive. Dazu muss sie sich weder ausziehen, noch muss er fertiggekaut haben. Jensen und sein Anhängsel Rolf wollen mit Ulrik die Rache an demjenigen vorantreiben, der Ulrik verraten und hinter Gitter gebracht hat. Ulrik soll ihn erschiessen. Dieser selbst lässt alles mit sich geschehen, doch so recht beteiligen tut und will er sich nicht. Was ihn interessiert, ist sein Sohn, der mittlerweile erwachsen geworden ist, mit der schwangeren Freundin ein Nest einrichtet und den mordenden Papa verdrängt hat.

Ulrik findet eine anständige Arbeit bei Sven als Automechaniker. Als Sven bald nach Ulriks Arbeitsantritt einen Herzinfarkt erleidet, kommt die Werkstatt vorübergehend in dessen Hände. Trotz dem Versprechen die Finger von Svens Tochter Merete, die ebenfalls in der Werkstatt mitarbeitet, zu lassen, hat er ein Auge auf sie geworfen. Die beiden bandeln an und als auch die Kontaktaufnahme zum Sohn gelingt, scheint das Leben für Ulrik doch noch Gutes bereit zu haben. Doch erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Und während die von Ulrik zurückgewiesene, gekränkte Karen Merete ihr Vorrecht auf Ulrik verdeutlicht und die Schwiegertochter in Spe keinen Kontakt zwischen Sohn und Vater wünscht, gerät Ulriks neu gewonnene Freiheit und Unschuld ins Wanken. So dauert denn die skurrile Geschichte noch eine Autogeburt, eine Prügelei und einen Mord an. Unterstrichen werden die Bilder durch eine sehr gelungene, leichtfüssige Musik. Sie trägt gerade in denjenigen Szenen zur Komik bei, wenn die Handlung ins allzu Derbe, Dunkelschwarzhumorige abzudriften droht. Stellan Skarsgård, zur Zeit wohl der international erfolgreichste norwegische Schauspieler, verkörpert in diesem Film Ulrik. Mit seinem Spiel steht und fällt die Geschichte. Er vereint den liebenden Vater mit dem zum (wiederholten?) Töten fähigen Mensch sehr glaubhaft.

Der Film punktet mit dem Schauspielerensemble, welches bis zur hinterletzten Figur einen sehr echten und unterhaltenden Auftritt liefert. Zudem zeichnet die in vielen Szenen dominierende Situationskomik diesen im Abgang bittersüssen Film aus.

Léa Zürcher


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