Temporär im Kino Riffraff


Alex (wunderbar: Romain Duris) ist das, was man einen klassischen Frauenhelden nennen könnte, nur hat der attraktive, junge Mann von Welt mit dem betörenden Blick im Gegensatz zum negativ besetzten Klischee des aalglatten Womanizers Stil und durchaus mehr zu bieten als platte Anmachsprüche. Alex hat viele Talente, doch vor allem ist er ein guter Schauspieler. Seine Rolle von Berufs wegen: Frauen, die in unglücklichen Beziehungen leben, das Herz zu brechen und sie so dazu zu bringen ihren Freund, Liebhaber oder Ehemann zu verlassen. Die lukrativen Aufträge erhält er von meist gutbetuchten, notorisch eifersüchtigen Vätern, besorgten Schwestern oder hysterischen Müttern. Das Geschäft boomt, und die Erfolgsquote lässt sich durchaus sehen. Bis anhin konnte Alex allen Frauen die „Augen öffnen“ und ihnen klar machen, dass sie etwas Besseres verdient hätten als Männer der Gattung Lüstling, Langeweiler, Geizhals oder Muttersöhnchen. Unterstützt von Mélanie und Marc, die im Hintergrund nach den geheimen Vorlieben der Frauen recherchieren, sich um die Organisation kümmern und Alex zur rechten Zeit den passenden Text über Funk zuflüstern, greift Alex zu jedwedem Mittel, um die Frauen in ihn verliebt zu machen und steigt dabei schon mal im Bauarbeiterkostüm auf ein Hochhaus, reist in humanitärer Mission in die marokkanische Wüste, lernt Japanisch oder übt mit eiserner Härte so zu tanzen, dass Patrick Swayze daneben glatt kümmerlich aussähe. Ganz nach dem Motto: der Kunde ist König. Das geht solange gut bis Alex den Auftrag erhält Juliette, Tochter aus gutem Hause, innerhalb zehn Tagen davon abzubringen Jonathan, einen reichen Dandy, zu heiraten. Denn Juliette, unterkühlt und schlagfertig, widersteht Alex‘ Charme zunächst und zudem scheint dieser Typ einfach keine Macken zu haben. Alex und seine Team müssen sich also ganz schön ins Zeug legen und greifen dabei zu Mitteln, von denen selbst ein Superagent à la James Bond träumen dürfte. Die Sache spitzt sich immer mehr zu und als die unterkühlte Schönheit auch noch echte Gefühle in Alex zu wecken vermag, ist das Chaos perfekt…

Pascal Chaumeil verpflichtet sich mit seinem Kinodebüt ganz der romantischen Hollywoodkomödie, schreckt aber auch vor Actionszenen und reichlich Slapstick nicht zurück. Der temporeiche Streifen ist stellenweise durchaus witzig und nachdem man sich anfänglich noch über die haarsträubenden Einfälle, den konstruierten Plot und die Überdrehtheit der Schauspieler ennervieren mag, lässt man sich nach und nach auf die seichte Komödie ein. Grossartig ist Romain Duris als Frauenbetörer, der in jeglicher Verführerrolle durchaus glaubhaft und – Frau gibt es zu – très, très charmant wirkt. Der Rest ist kurzweilig, unterhaltsam, aber auch schnell wieder vergessen.

Anja Schulthess


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