Kino einfach anders


Nach dem Filmgang habe ich mir prompt den schlimmsten Sonnenbrand seit langem geholt. Ob das irgendwie einen Zusammenhang zum Gesehenen hat, mag dahingestellt sein. Jedenfalls wurde mir bewusst, dass die Haut ein Schutzmantel ist, der beschädigt werden kann, abstirbt und sich erneuert. Uns ist in unserer eigenen Haut am wohlsten und trotzdem verändert sie sich immerfort mit uns.

Im neuesten Werk Almodóvars spielt Banderas, nach langjähriger Absenz, wieder eine Hauptrolle bei seinem geistigen Ziehvater. Simpel zusammengefasst mimt er den notorisch verrückten Professor Ledgard, der an der hübschen Vera eine feuerfeste Haut testet. Ganz so platt belässt es Almodóvar jedoch nicht bei der Geschichte. Seine geliebte Frau ist im Feuertod umgekommen und seine vergewaltigte Tochter folgte kurz darauf im Freitod. So weit so gut. Interessant wird’s jedoch, wenn man erfährt, welche Rolle Ledgards Haushälterin in der ganzen Geschichte spielt, geschweige denn der ominöse Mann im Tigerkostüm, der plötzlich vor der Haustüre steht. Und sowieso: Wer ist diese geheimnisvolle Vera, die offensichtlich nach Ledgards ehemaliger Gattin modelliert wurde, die eine Haut trägt, welche die Verstorbene hätte retten können und die bereits jahrelang in heimlicher Gefangenschaft unter seinem Dach lebt? Eine überraschende Wende naht, als man erfährt, dass sie einen verheerenden Einfluss auf seine Vergangenheit hat…

Auch wenn Ledgard zu Beginn wohl als guter Samariter eine neue Haut für Vera kreiert, scheint sie sich doch nicht richtig wohl darin zu fühlen. Und wenn man sich im eigenen Schutzmantel nicht mehr heimisch fühlt, ist man dann noch sich selbst? Mit dieser Frage beschäftigt sich Almodóvar in seiner shakespearischen Tragödie. Er verwebt gekonnt Erzählebenen in einen dichten Teppich, sodass man lange nach Filmende versucht, die Stränge zu entwirren und zu verstehen. Grossartig komplex!

Natalia Schmidt


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