Temporär im Kino Riffraff


La Ritournelle, zu Deutsch „die Leier“, versinnbildlicht das Leben von Brigitte und Xavier. Als wohlhabende Rinderzüchter in der Normandie ist ihr Alltag geprägt von Wiederholung und Routine. Xavier bestreitet mit seinen prächtigsten Charolais-Bullen regionale Wettbewerbe, Brigitte hilft kräftig mit auf dem Hof und bekocht ihren Mann und dessen Knecht. Es ist eine Decke aus gepflegter Langeweile, die Brigitte langsam auf den Kopf zu fallen droht. Dies ändert sich schlagartig, als der um einiges jüngere Stan aus Paris in der Nachbarschaft auftaucht und Brigitte bei einer Party verführt. Der Flirt bleibt harmlos, doch als Stan am nächsten Tag wieder zurück nach Paris fährt, folgt Brigitte unter dem Vorwand eines Arztbesuches dem Beau in die Hauptstadt. Je länger Brigitte sich in der französischen Metropole aufhält, desto mehr blüht sie auf und lernt die schönen Seiten des Lebens wieder zu geniessen. Doch als Xavier dahinterkommt, dass Brigitte ihn belogen hat, macht auch er sich auf in Richtung Paris.

Der Plot von La Ritournelle ist dünn und vorhersehbar. Filme über grau-melierte Paare, die in der Ehekrise stecken, kommen in fast regelmässigen Abständen ins Kino. Doch Marc Fitoussis Film lebt von seinen liebevoll gezeichneten Figuren und ihren famosen Schauspielern. Isabelle Huppert zeigt als quirlige Brigitte eine von ihr selten gesehene Wärme. Und auch die drei Männer Jean-Pierre Darroussin, Pio Marmaï und Michael Nyqvist an ihrer Seite glänzen mit viel Charme und Witz. Was La Ritournelle ebenfalls über den Durchschnitt der üblichen Hollywood-Rom-Com hebt, ist die unerwartete Tiefe zu den Themen Ehe, Treue und Vergebung, welche der Film gegen Ende offenbart. Und wie Isabelle Huppert im Karomantel und Russenhut durch die Pariser Strassen flaniert, ist ein Bild, dem man fast nicht widerstehen kann.

Claudio Fuchs


Weitere Filmkritiken