Temporär im Kino Riffraff


Guillaume, adoleszenter Sprössling einer gutbürgerlichen Familie, mag sich über das Kindesalter hinaus als Königin von England verkleiden und erquickt sich daran, zuweilen mit seiner Mutter verwechselt zu werden. Beste Voraussetzungen also für eine klassische Coming Out Geschichte. Wäre da nicht die kindliche Naivität Guillaumes, der sich keinen Kopf um seine sexuelle Orientierung macht. Für seine Familie ist klar, Guillaume ist eine Schwuchtel, sagen mag es aber niemand. Umso überraschender ist Guillaumes Kundgabe Jahre später: Er ist hetero.

In der heutigen, übersexualisierten Kultur wirkt Guillaumes Unschuld und Naivität gegenüber seiner Orientierung so befreiend, dass sie nonchalant mit der klassischen Coming Out Geschichte im Queer Cinema bricht. Leider verliert die lockere Komödie jeglichen Reiz, sobald Guillaume in einigen Szenen aus der eigenen Geschichte tritt und als Erzähler auf einer Theaterbühne erscheint. Exponiert im Scheinwerferlicht kippt die Story ins allzu Dramatische und driftet ins Lächerliche ab. Und plötzlich erscheinen die komödiantischen Einlagen wahnsinnig affektiert. Schade.

Natalia Schmidt


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