Temporär im Kino Riffraff


Morning Glory ist oberflächlich betrachtet eine klischeehafte Liebeskomödie: Ein Feel-Good-Movie, in dem eine sympathische Heldin auf ihren „Mr.Dreamy“ trifft und sich in ihrer Arbeit beweisen muss. Eine Boy-meets-Girl-Story mit einer Coming-of-Age-Komponente, aufgepuscht durch eingängige Popmusik und farbenprächtige Multicolor-Effekte. Trotz der stereotypen Charakteren und Hollywood-Erfolgsrezeptur besticht der Film durch seine witzigen Dialoge und den lockeren Umgang der Schauspieler untereinander.

Der Film handelt von Becky Fuller, einer energischen, jungen Fernsehproduzentin, die seit ihrer Kindheit im Fernsehen arbeiten will und für ihr Ziel über glühende Kohlen gehen würde. In diesem Fall muss sie eine dem Untergang geweihten Frühstücks-Sendung wieder auf Vordermann bringen. Trotz Übereifer und tollwütiger Zielstrebigkeit scheint ihr das nicht zu gelingen. Die Zuschauerquote ist ebenso tief wie die Moral der Mitarbeiter, welche Becky zunächst nur als eine überforderte und zum Scheitern verurteilte Praktikantin betrachten. Der Rausschmiss droht. Becky lässt sich aber nicht unterkriegen und überredet ihren Boss, die altgediente Fernsehikone Mike Pomeroy in ihr Team aufzunehmen. Dieser ist jedoch gar nicht begeistert zu einer drittklassigen Frühstückssendung mit banalen Newsmeldungen zu wechseln. Durch einen cleveren Schachzug Beckys steigt er trotzdem ins Team ein und sorgt dann anfangs zusätzlich für Wirbel.

Die Rolle des kauzigen „Harte-Schale-Weicher-Kern-Kerls“ meistert Harrison Ford souverän und liefert sich sowohl mit Rachel McAdams (witzige Mimik!) als auch mit Diane Keaton pfeffrige Wortgefechte. Hingegen kann der Auftritt von Patrick Wilson als Beckys Liebhaber nicht befriedigen. Er wirkt an Beckys Seite aalglatt und zu schal.

McKenna, Drehbuchautorin von The Devil wears Prada, und Regisseur Michell (Nottinghill) haben mit diesem Film eine verschrobene und amüsante Screwball-Komödie geschaffen, in dem die Heldin, trotz ihrer Schwächen und ihrer schrulligen Art, menschlich und stark auftritt.

Silvana Rohrer


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