Temporär im Kino Riffraff


Unmittelbar vor dem Eintritt in die Highschool beginnt der schüchterne und psychisch labile Teenager Charlie – als roter Faden durch die Erzählung – einer unbekannten Vertrauensperson Briefe zu schreiben, um seine Erlebnisse und Gefühle in dieser neuen Welt zu verarbeiten. Nach anfänglichen Schwierigkeiten findet der ruhige Denker schon bald Anschluss in der kulturinteressierten Indie-Clique um die Stiefgeschwister und Seniors Sam und Patrick. So erlebt Charlie im ersten Jahr an der Highschool eine Achterbahnfahrt der Gefühle, entdeckt wahre Freundschaft und die erste Liebe, macht erste Erfahrungen mit Partys und Drogen und wird mit den Geistern seiner Vergangenheit konfrontiert.

Stephen Chbosky, der Autor der Romanvorlage, nahm sich seinem Werk gleich selbst an – er adaptierte das Drehbuch und führte Regie. Für sich alleine betrachtet erzählt Chbosky in seinem Filmdebüt eine stimmige coming-of-age Geschichte in bestechenden Bildern und untermalt von toller Musik der Beatles, Smiths, David Bowie und co. Obwohl die üblichen Highschool-Klischees vom Footballspiel über Mensa-Keilereien bis hin zu Abschlussbällen ihren Weg in den Film finden, wandelt Charlies Highschoolerfahrung doch abseits vom üblichen Teenie-Film-Quatsch und wirkt sehr menschlich und empathisch; nicht zuletzt auch dank der überzeugenden schauspielerischen Leistung der jungen Hauptdarsteller, von denen besonders Ezra Miller hervorzuheben ist.

Das Hauptproblem des Films besteht allerdings in seiner Vorlage. Denn der Roman verhilft der Adaption zu all ihren Stärken, bietet darüber hinaus aber noch viel mehr. Gerade die kleinen, wegrationalisierten Episoden wie die Familienstreitereien an Weihnachten oder Charlies Dasein als beobachtender Mauerblümchen DJ auf einer Party verleihen den Figuren mehr Tiefe und Glaubwürdigkeit. Auch der Fokus auf Charlies Eintauchen in die Welt der Literatur und Musik verliert im Film an Prägnanz. Und weil die schriftliche Erzählung durch die konsequente Einhaltung der Briefform seinen Gedanken, Beobachtungen und Beschreibungen viel mehr Platz einräumt und weniger auf stereotypische Highschoolbilder zurückgreift, entfaltet Charlies Geschichte trotz makelloser visueller Umsetzung im Kopf eine stärkere Wirkung als auf der Leinwand. Alles in allem ist Perks of Being a Wallflower eine durchaus gelungene und mit Momenten sogar richtig gute Adaption, kann aber – auch aufgrund der beschränkten Möglichkeiten des Mediums – in keiner Weise die Lektüre der Romanvorlage ersetzen.

Florian Schmitz


Weitere Filmkritiken