Temporär im Kino Riffraff


Im fiktiven Grenzstädtchen Courquain an der französisch-belgischen Grenze bricht Chaos aus: Im Zuge des Schengen-Abkommens wird der Grenzposten aufgelöst, was dem Örtchen seine Lebensgrundlage raubt. Besonders der belgische Grenzbeamte Ruben (Benoît Poelvoorde) hat damit seine Probleme, z.B. wenn die bösen Franzosen in seinem Land billig tanken kommen wollen. Die Tore öffnen sich aber nicht nur für die verhassten Nachbarn, sondern auch für ungehemmtes Ausleben der Vorurteile.

Dany Boon hat nach seinem Erstlingswerk Bienvenue chez les Ch‘tis erneut ein hochbrisantes Thema aufgegriffen. Wie reagieren wir, wenn sich die Grenzen in unserer sich öffnenden Welt immer mehr auflösen? Wie können wir diese verlorene Sicherheit kompensieren? Mit grosser Liebe fürs Detail hat Dany Boon einen Film geschaffen, der das Erfolgsrezept seines ersten Films übernimmt und in ein neues, internationaleres Setting überträgt. Dieses Vorgehen sei ihm zwar vergönnt, jedoch zwingt dies dazu, Boons neuestes Werk mit seinem ersten zu vergleichen. Und da schneidet Rien à Déclarer leider nicht mehr so gut ab.

Trotz harmonierendem Darstellerteam fehlt Rien à Déclarer der poetisch-derbe Charme, der Bienvenue chez les Ch’tis so wunderbar machte. Die Figuren werden im neuen Film von Boon bis zur Unkenntlichkeit überzeichnet – zum Beispiel mag der wild um sich ballernde Ruben zwar amüsant und erschreckend gleichzeitig sein, verliert aber durch die völlige Übertreibung seine Glaubwürdigkeit. Die Witze sind flacher und vorhersehbarer, die Figuren insgesamt zu wenig liebenswert, als dass der Zuschauer mit ihnen lachen und leiden könnte. Das grösste Vergehen Boons ist jedoch der actiongeladene Schluss, der so gar nicht mehr zum Film passen mag. Zwar schafft es Boon, eine wilde Verfolgungsjagd auf der Autobahn humorvoll daherkommen zu lassen, jedoch lässt ein solcher Entscheid Rien à Déclarer endgültig zu einer halbpatzigen Klamauk-Komödie verkommen, für das der Film aber doch wieder einige zu gute und tiefsinnige Szenen zeigt.

Antonia Steger


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