Temporär im Kino Riffraff


Im kleinen westtexanischen Kaff Central City scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Lou Ford ist Sheriff in diesem idyllischen Dorf, er ist allseits beliebt, vor allem beim weiblichen Geschlecht. Mit Amy Stanton, die aus einer der angesehendsten Familien der Stadt kommt, hat er eine gute Partie gemacht, der Verlobung steht nichts mehr im Weg. Als Lou Ford im Auftrag seines Chefs die Prostituierte Joyce aus der Stadt entfernen soll, gerät sein geordnetes Leben gehörig aus den Fugen. Er beginnt eine Affäre mit der jungen Frau, die sadomasochistische Beziehung zu ihr löst verschüttete Kindheitstraumata aus. Der vormals vorbildliche Polizist wird zum eiskalten Killer. Fortan pflastern Leichen seinen Weg, obwohl seine Vorgesetzten zu wissen glauben, was er tut, hält ihn niemand auf. Bis es zum unabwendbaren und schrecklichen Finale kommt…

Der Film, der auf der Romanvorlage THE KILLER INSIDE ME von Jim Thompson basiert, ist nichts für schwache Nerven. Schonungslos zeigt Michael Winterbottom in diesem hochkarätig besetzten Film den eiskalten Killer Lou Ford (hervorragend gespielt von Casey Affleck) und seine schrecklichen Taten. Einerseits hat man die wunderschön und sehr detailliert gefilmte 50er Jahre Kleinstadt Idylle, andererseits wird gezeigt was Menschen alles in Kauf nehmen, um diese Idylle um jeden Preis zu bewahren.

Das Portrait des schwer gestörten Kleinstadtsheriffs gelingt dennoch nur halbwegs; die Entwicklung des Täters ist diffus, die Reaktionen des Umfelds wirken konstruiert und tragen dazu bei, dass der Film einige Längen hat. So wird die Spannung immer wieder gebrochen, was aber weder zu der Entwicklung der Ereignisse an sich beiträgt, noch das Verhalten der Figuren rund um den Sheriff erklären würde. Die realistisch und brutal gezeigte Gewalt gegen Frauen führte am Sundance Film Festival zu sehr heftigen Reaktionen; viele Zuschauer verliessen das Kino. Tatsächlich ist es fraglich, ob man einen Mord auch noch mit dem letzten grausamen Detail in der Totalen zeigen muss.

Über weite Teile ist THE KILLER INSIDE ME spannend, nicht zuletzt wegen Casey Afflecks ausgezeichneter Darstellung des Psychopathen. Die exzessiven Gewaltdarstellungen sind allerdings nicht zu unterschätzen; die Bilder, die gezeigt werden, vergisst man so schnell nicht wieder!

Sophie Kreutzberg


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