Temporär im Kino Riffraff


Rom, die Stadt der vielen Geschichten. So wird der neue Film von Woody Allen verkauft, genau das bietet er auch. Eine Episode nach der anderen plätschert vor sich hin: Ein frisch vermähltes Paar kommt aus der Provinz nach Rom, die Frau verirrt sich in der grossen Stadt und landet am Ende des Tages mit ihrem Lieblingsschauspieler im Bett. Nachdem dieser von einem Einbrecher verjagt wird, gibt es einen fliegenden Wechsel der Bettgefährten. Der Film erzählt auch von Leopoldo Pisanello, dem zuverlässigen Arbeiter und Familienvater, der auf einen Schlag und ohne Gründe berühmt wird und ab da kafkaeske Situationen erlebt.

Ein weiterer Geschichtenstrang verfolgt den jungen Architekturstudenten Jack, der sich sehr voraussehbar in die charmante Kollegin seiner Freundin verliebt. Garniert wird diese Soap mit Alec Baldwin als alten, besserwisserischen Meta-Erzähler, der immer wieder davor warnt, was nun als nächstes geschehen wird. Die einzig lustige Episode ist diejenige von einem Opernsänger, der leider nur während seiner Morgenroutine schön singen kann und deswegen seine Dusche auf die Bühne bringen muss – selbstverständlich hat er damit Erfolg.

Nach Vicky Cristina Barcelona und Midnight in Paris ein weiterer Stadtfilm von Woody Allen. Wiederum etwas verklärend, etwas zu Schönwetter-rotfiltrige Bilder, diesmal vermischt mit blutleer überdrehten Geschichten. Die plappernde Handlung, typisch Woody Allen, lässt in To Rome with Love den Tiefgang vermissen. Es wäre mehr möglich gewesen. So hinterlässt das Ganze einen etwas bitteren Nachgeschmack von Tourismus-Werbung, eingekauft über einen alternden Regisseur. Doch wer sich an all dem nicht stört, kann sich über ein paar gelungene Witze des immer-charmanten, diesmal wieder mitspielenden Woody Allen freuen. Und bekommt eine mild amüsante Kritik am Celebrity-Wahn serviert.

Antonia Steger


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