Temporär im Kino Riffraff


Maria Altmann (Helen Mirren) musste nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich in die USA flüchten. Jahrzehnte später tauchen Briefe auf, die vermuten lassen, dass sie die Eigentümerin von mehreren millionenschweren Werken Gustav Klimts ist. Diese Gemälde wurden ihrer Familie Bloch-Bauer von den Nazis geraubt und gelangten nach dem Krieg in eine Galerie im Schloss Belvedere in Wien. Darunter auch das berühmte, mit Blattgold belegte Bild ihrer früh verstorbenen Tante Adele, die Woman in Gold.

Zusammen mit dem eher mittelmässigen Anwalt Randy Schönberg versucht Maria Altmann ihre Bilder zurück zu bekommen. Dafür fliegt sie sogar nach Wien, obwohl sie sich geschworen hatte, nie wieder dorthin zurückzukehren. Trotz der eindeutigen Beweislage hat Österreich keinerlei Interesse, die Gemälde zurückzugeben, geschweige denn, sich mit der NS-Vergangenheit auseinander zu setzen. Doch Maria Altmann und ihr Anwalt geben sich nicht geschlagen und ein jahrelanges Justizdrama nimmt seinen Lauf.

Woman in Gold ist klassisches Erzählkino, das chronologisch die wahren Fakten abarbeitet. Unterbrochen wird das Ganze durch Rückblenden in die Wiener Vergangenheit aus Maria Altmanns Erinnerung. Gezeigt werden dabei ihre Bewunderung für die Tante Adele, der Einmarsch der Nazis in Wien, der Abschied von der Familie und ihre Flucht aus der Heimat. Dabei wird mit kitschig inszenierten Sentimentalitäten nicht gespart, die mit der typischen pathetischen Musik Hans Zimmers unterlegt sind. Damit dem Zuschauer nicht zu viel Drama zugemutet wird, ist die Handlung in der Gegenwart mit sprödem Humor aufgelockert. In die Tiefe geht der Film weder bezüglich der Thematik, die eigentlich viel mehr hergeben würde, noch bezüglich der Figuren, die genau so blass sind wie die Farbtöne in den Rückblenden. Auch schauspielerisch ist nicht allzu viel geboten, abgesehen von Helen Mirren, welche die sture alte, aber sehr lebendige Dame gekonnt spielt.

Unter dem Strich bleibt ein auf seichte Unterhaltung abzielender Film, der die zugrunde liegende, wahre Geschichte oberflächlich abhandelt. Anstatt mehr aus dem Stoff zu schöpfen und die Figuren zu beleuchten, setzt der Regisseur Simon Curtis zu stark auf Melodramatik und Emotionalität mit dem Holzhammer.

Federico Chavez


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