Temporär im Kino Riffraff


Worte kreieren lebendige Bilder. Oder im Gegenteil – Bilder drücken Gefühle aus, die nicht beschrieben werden können. In Words and Pictures sind die Standpunkte klar verteilt: „Words are lies, they are traps!“ So beginnt Dina Delsanto ihre erste Stunde als neue Kunstlehrerin. Das kann der wortgewandte Englischlehrer Jack Marcus (Clive Owen) jedoch nicht auf sich sitzen lassen. Wie könnte ein Bild die Worte übertreffen, mit denen die amerikanische Verfassung geschrieben wurde? In der Privatschule von Maine entsteht nun aus dem intellektuellen Streit der beiden Lehrer eine locker-flockig inszenierte Schuldebatte um diese Frage: Was hat mehr Macht, Worte oder Bilder?

Dabei sind Marcus und Delsanto beides gestrandete Charaktere. War Marcus früher Dichter, ist sein Genie, wie er selbst sagt, mittlerweile längst erloschen und er fällt nun eher als wortgewandter Provokateur und exzessiver Trinker auf. Delsanto wird durch eine Krankheit in ihrer Malkunst eingeschränkt. In ihrer intellektuellen, kühlen Art ist sie jedoch die Einzige, die Jack standhalten kann.

Der Streit zwischen Delsanto und Marcus wird in Words and Pictures als Orgie aus Zitaten inszeniert, bleibt jedoch platt. Der einzige Ansporn, diesen inszenierten Kampf von Bildern und Worten weiterzuverfolgen, liegt für mich in der ständig durchscheinenden Gebrochenheit von Marcus und Delsanto. Für sie stellt sich dieselben Fragen: Sind wir mehr wert als unsere Worte und Bilder oder ist unser Werk das Beste von uns? Und was bleibt, wenn das Genie erloschen oder nicht mehr artikulierbar ist? Diese Thematik hätte für ein interessantes und tiefgründiges Drama gepasst, das hier aber fälschlicherweise in das Gewand einer romantischen Komödie gezwängt wurde. Juliette Binoche und Clive Owen geben ihr Bestes, doch sie stehen inmitten von kaum entwickelten oder störenden Nebencharakteren eines eher mässigen Drehbuchs ziemlich alleine da. Die allesamt von Juliette Binoche zum Teil vor Ort gemalten Bilder sind zwar ziemlich eindrücklich, doch sie gehen im typischen amerikanischen Vorstadtsetting unter. Mit der Macht seiner Worte und Bilder aus diesem Setting auszubrechen, bzw. sich vom Genre der Highschool-Filme zu distanzieren, hat der Film leider nicht geschafft.

Was übrig bleibt, ist eine ganze Reihe von guten Ansätzen, die durch den Film nur vereinzelt umgesetzt werden. Wer sich eine durchschnittliche romantische Komödie mit zwei trotzdem guten schauspielerischen Leistungen ansehen möchte, geht mit Words and Pictures sicher nicht falsch. Für die Einen eine Erleichterung, für Andere eine Plage, doch am Schluss kommt auch das erhoffte Happy End. Erfrischenderweise mit einem leicht bitteren Nachgeschmack.

Marc Frei


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