Temporär im Kino Riffraff


Quentin Dupieux hat sich in nur vier Langspielfilmen zu einem Experten dafür entwickelt, aus hirnrissigen Einfällen einzigartige Kinoereignisse zu schaffen. Seien es telekinetische Mörder-Pneus oder Privatdetektive, die Erinnerungen aus Hundescheisse extrahieren können – nichts ist dem französischen Multitalent zu grotesk.

In Wrong Cops steht nun eine Truppe von Polizisten im Zentrum – einer inkompetenter als der andere und wirklich nicht dein Freund und Helfer. So zum Beispiel Officer Duke (Mark Burnham) der sein Cop-Gehalt aufmöbelt, indem er Marihuana (der Diskretion wegen) in toten Ratten vertickt. Officer de Luca (Eric Wareheim) ist währenddessen damit beschäftigt, vollbusige Damen unter Zuhilfenahme seiner Dienstwaffe davon zu überzeugen, sich vor ihm im Hinterhof der Polizeistation zu entblättern – ein Unterfangen mit gemischter Erfolgsbilanz. Und Officer Holmes (Arden Myrin) findet heraus, dass Officer Sunshine (Steve Little) sich früher in einem Schwulen-Heftchen ablichten lassen hat und will ihn damit erpressen. Diese und weitere abstruse Geschichten werden auf das Publikum losgelassen, frei von jeglicher narrativen Kohärenz, dafür mit umso mehr Freude an der Provokation des guten Geschmacks.

Bestimmt ist Wrong Cops kein Leuchtturm des intellektuellen Kinos. Die Charaktere werden aber von den Schauspielern mit so viel Herzblut gespielt, dass einem die eigentlich ziemlich abstossende Polizeitruppe irgendwie doch ans Herz wächst. Und was die Dialoge und das Timing angeht, bewegt sich Dupieux meilenweit über dem, was einem sonst so als lustig aufgetischt wird. Los Angeles darf wieder einmal so richtig schön hässlich sein und liefert damit den perfekten Hintergrund für die Absurditäten auf der Leinwand. In dieser Parallelwelt können Polizisten unbehelligt an Mauern pinkeln oder halbtote Nachbarn durch die Gegend schleifen, so richtig interessieren tut das keinen. Auch weiss Dupieux das Drehbuch mit allerlei meta-humoristischen Einfällen zu verfeinern. Die an sich eher fade Filmfigur eines scheuen Schülers wird durch die Tatsache, dass sie von Marilyn Manson verkörpert wird, gehörig aufgepeppt. Und dass zwischendurch Dolph Springer mit seinem Hundchen aus Dupieuxs letztem Streifen Wrong vorbeischaut, ist nur eine von vielen Reminiszenzen an seine früheren Filme. Der pumpende Elektrosound rundet das Ganze ab passt perfekt zum trashigen Look des Films.

Leider nimmt die Gag-Dichte in der zweiten Hälfte des Films ein wenig ab und es schleichen sich einige Längen ein – vor allem bei der kurzen Laufzeit von 83 Minuten ein deutliches Zeichen dafür, dass das Konzept des Films wohl doch nicht ganz zu Ende gedacht wurde. Und dadurch, dass dem Film eine spannende Geschichte fehlt, können Szenen, in denen die Witze nicht sofort zünden, schnell unnötig erscheinen. Trotz dieser Schwächen wird man als Zuschauer mit einem verrückten Abenteuer belohnt, das man so schnell nicht wieder vergessen wird. Der Film endet schliesslich mit einer Tanznummer auf dem Friedhof, so sinnfrei und doch so köstlich amüsant wie so viele Szenen davor.

Claudio Fuchs


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