Kino immer anders

Das_Weisse_Band

„Ich [glaube], dass ich die seltsamen Ereignisse, die sich in unserem Dorf zugetragen haben, erzählen muss, weil sie möglicherweise auf manche Vorgänge in diesem Land ein erhellendes Licht werfen können.”

Um 1910 werden die Bewohner des kleinen Dorfes Eichwald von merkwürdigen Geschehnissen heimgesucht. Auf diese Gräuel wird mit ebensoviel Kälte und Gewalt reagiert und wir blicken zusehends tiefer in die Seele des Dorfes. Der Erzähler rapportiert detailgetreu von den Begebenheiten und entflicht eine Geschichte, die dem Whodunit-Ansatz klassischer Kriminalfilmen folgt. So beschleicht den Zuschauer im Laufe des Filmes die Erkenntnis, dass nicht nur die Vorkommnisse im Dorf furchteinflössend sind, sondern ebenso die herrschenden Zustände.

Das weisse Band zeichnet das subtile Porträt eines Dorfes, welches gemeinsam seine Monster brütet und sich dann naiv über deren Existenz wundert. Haneke skizziert eine prophetische Atmosphäre um einen Dorfgeist, der als Vorbote eines gesellschaftlichen Wandels dient, welcher in Schieflage zu geraten droht.

Tobias Häberli


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