Kino immer anders

DELIVERANCE

Vier Grossstädter machen sich auf, einen abgelegenen Fluss in den Südstaaten mit dem Kanu zu befahren. An gleicher Stelle soll in Kürze ein Staudamm entstehen und das kaum besiedelte Land überfluten. Diese einmalige Gelegenheit, die bald zerstörte Wildnis zu erkunden, lässt sich der selbsternannte Naturbursche und bis zum Scheitel vor Testosteron strotzende Lewis nicht entgehen. Die anfängliche Männerromantik voll prächtiger Naturbilder, berauschenden Stromschnellen, Lagerfeuer und Dosenbier nimmt jedoch bald eine bedrohliche Wendung und verwandelt sich in einen echten Überlebenstrip…

Deliverance zeigt die Sehnsucht nach Einfachheit, fernab der durchreglementierten, modernen Gesellschaft. Boormans Film fällt in eine Zeit voller Widersprüche eines tief gespaltenen Landes, zwischen Friedensbewegung und Vietnamkrieg, Moderne und Rückwärtsgewandtheit unweit des «Bible Belts». Ein Bild, welches auch Deliverance zeichnet und in seiner Kompromisslosigkeit nicht davor zurückschreckt, die Einheimischen dieser Flusslandschaft als inzestuöse Hinterwäldler zu karikieren. Dafür können sie ausgezeichnet Banjo spielen.

Alexander Streb


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