Kino immer anders

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Das Glück ist ein Aschenbecher. Und selbst dieser wird Joy weggenommen, als sie ihren armseligen Freund in einem abgeschmackten Mittelklasse-Restaurant in New Jersey abserviert. Er will das Sammlerstück schliesslich jener Frau schenken, die ihn liebt, wie er ist. So sackt Joy schluchzend am Küchentisch ihrer Vorzeige-Schwester Trish zusammen. Trish spricht Joy gut zu – und ahnt nicht, womit sich ihr anbetungswürdiger Gatte Bill durch den Tag träumt. Bill, der als Psychologe seine Brötchen verdient, beflügeln indes anzügliche Fantasien von seinem Sohn Billy Jr. und dessen blutjunge Schulkameraden. Als Bills von Selbstzweifeln geplagter Patient Allen mit einem seiner obszönen Telefonanrufe unverhofft auf Anklang stösst, schliesst sich der Kreis. Die attraktive Helen – und dritte Schwester im Bunde – packt die Gelegenheit am Hörer, um durch ein animalisches Abenteuer mit dem ausfälligen Unbekannten schriftstellerische Glaubwürdigkeit für ihr kommendes Werk zu erlangen…

Happiness folgt einer vom Schicksal zusammengewürfelten Gruppe unglücklicher Menschen auf ihrer Suche nach Liebe und Erfüllung. So kommen geheimste Sehnsüchte zutage, die Unbehagen hervorrufen und gerade im dunkelsten Moment von trockenstem Galgenhumor abgelöst werden, sodass uns das Lachen im Halse stecken bleibt. Dennoch schafft es Todd Solondz seine Figuren nie zu verraten und zutiefst menschlich zu bleiben. Tragisch, grotesk und liebenswürdig zugleich, ein brillantes Meisterwerk des New Geek Cinema.

Natalia Schmidt


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