Kino immer anders

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Ein kaum sichtbarer Zettel an der Wand verkündet eine einschneidende Veränderung: „Samstag: China kommt“. Die Austernzucht hat in der kleinen Hafenstadt Ushimado im Südwesten Japans eine lange Tradition. Seit Jahrzehnten verarbeiten hier ausschliesslich Japaner und Japanerinnen die begehrten Meeresfrüchte. Doch Koichi Watanabe, Besitzer einer Fabrik, fällt es schwer Arbeitskräfte zu finden. Der Job ist hart, schlecht bezahlt und stösst bei den Japanern auf wenig Interesse. Viele Bewohner haben der Stadt den Rücken gekehrt. Um die Existenz seiner Fabrik zu retten, muss Watanabe einen Kompromiss eingehen und zwei Arbeiter aus China einstellen. Damit sorgt er bei seinen traditionalistisch eingestellten Mitarbeitern nicht unbedingt für Erleichterung.

Regisseur Kazuhiro Soda entpuppt in seinem Dokumentarfilm Oyster Factory verborgen gehaltene Ängste und Vorurteile und rekonstruiert so ein gesamtgesellschaftliches Gefühl der Besorgnis. Mit viel Instinkt und Talent fügt er alltägliche Beobachtungen zu einem umfassenden Portrait über ein Land mit einer ungewisser Zukunft zusammen.

Stéphanie Meier


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