Kino immer anders


Hätte ich aufgrund des Plakats entschieden, Film schauen oder nicht, wäre die Entscheidung negativ ausgefallen. Auf dem Plakat thront ein affenartiger Mann mit nacktem Oberkörper auf einem Tisch. Seine Arme enden in Stelzen, auf den ersten Blick sehen sie aus wie Waffen. Rund um den Tisch sitzt eine illustre Gesellschaft. Der Mann sieht aus, als würde er gleich alles kleinschlagen.

Zum Glück hatte ich den Titel des Plakats gar nicht genau angeschaut, sonst hätte ich mich an den einem Abend nicht im Kino bei eben diesem Film eingefunden. Was ich dann sah, überraschte mich positiv, sehr positiv. Zu Recht hat der Regisseur Ruben Östlund dieses Jahr für seinen Film «The Square» die Goldene Palme von Cannes gewonnen.

Hauptfigur des Films ist Christian, Chefkurator eines renommierten Museums in Stockholm. Er ist charismatisch, stilvoll gekleidet und fährt einen Tesla. Sein neuster Wurf ist eine Installation auf dem Vorplatz des Museums: Ein aufgezeichnetes Quadrat. In diesem Quadrat sind alle gleich. Jeder, der es betritt, soll darin soziale Verantwortung übernehmen und seinen Mitmenschen mit Respekt und Hilfsbereitschaft begegnen.

Als dem charismatischen Christian auf offener Strasse sein Geldbeutel und Smartphone gestohlen wird, ortet er mit Hilfe seines Mitarbeiters das gestohlene Handy in einem Wohnblock. Weil er das Ding unbedingt zurück haben will, verteilt er im ganzen Haus Drohbriefe, mit der Aufforderung an den Dieb, die gestohlenen Sachen an einer Tankstelle abzuliefern.

Damit driftet das Leben Christians von seiner bisherigen Umlaufbahn ab, es entgleitet ihm immer mehr. So findet er sich im Bett einer Journalistin wieder, die mit einem Schimpansen zusammen wohnt und die Performance – auf dem Filmplakat – dargestellt, artet völlig aus. Der unangebrachte Werbefilm zum «Quadrat» bringt das Fass dann vollständig zum Überlaufen.

Ein absolut sehenswerter Film. Nicht nur weil die Kunstszene auf erfrischende Weise auf die Schippe genommen wird, sondern auch wegen der Situationskomik. Die Journalistin will sich mit Christian über ihre gemeinsame Nacht aussprechen, während im Hintergrund ein Kunstwerk vor sich hinscheppert oder der Koch erklärt die Speisen des Buffet, während die Vernissage-Besucherinnen sich schon darauf stürzen – sind nur zwei solcher Szenen.

Hingehen!

Seraina Manser


Other reviews