Kino immer anders


La Notte schildert den emotionalen Aufruhr einer gescheiterten Ehe. Giovanni ist ein angesehener Schriftsteller. Trotz seiner beneidenswerten Karriere ist er mit seiner Arbeit unzufrieden. Lidia, seine Frau, hat zunehmend Schwierigkeiten, ihren eigenen Platz in der Welt zu rechtfertigen, da sie sich in ihrer Ehe gefangen fühlt. Ein Krankenhausbesuch bei einem sterbenden Freund veranlasst sie, ihre sterbliche Existenz zu überdenken. Er kommt damit zurecht, indem er die Augen vor seiner zerfallenden Beziehung verschließt und sich auf leichtfertige Flirts einlässt, während sie ihre Verzweiflung verinnerlicht. Ihre Langeweile treibt sie dazu, durch die Höhen und Tiefen Mailands zu streifen – doch sie greifen immer wieder aufeinander zurück und werden jedes Mal desillusionierter von der Selbstgefälligkeit ihrer Routine.
Die Schönheit von „La Notte“ liegt nicht in der Komplexität der Handlung, sondern in der Atmosphäre, der Eloquenz der Dialoge und der Geschmeidigkeit der Schwarz-Weiß-Bilder. Der Zynismus der Charaktere ist nicht nur eine Reflexion über Beziehungen, sondern auch über die Vergänglichkeit der Existenz in der modernen Welt.
Emilie Rolland-Piègue


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