Eines Tages hinter den Kulissen von The Grill, einer hochdruck geprägten Küche am Times Square, in der in unerbittlichem Tempo gearbeitet wird, wälzen die Angestellten – meist ohne Aufenthaltsbewilligung – eine Bestellung nach der anderen ab, in der Hoffnung, diesen Ort eines Tages verlassen zu können. Unterdessen hegen sie ihre eigenen Träume, während sie versuchen, ihre Arbeitsplätze zu behalten und ein Gefühl der Würde zu bewahren. Doch als 800 Dollar aus der Kasse verschwinden, zerbricht das fragile Gleichgewicht des Restaurants. Schwelende rassistische Spannungen brechen offen aus, Misstrauen verbreitet sich wie ein Lauffeuer und verwandelt die Küche in einen spannenden Thriller.
Nachdem er sich in Güeros (2014) mit Jugendprotesten und in Museo (2018) mit dem Kolonialismus auseinandergesetzt hatte, deckt der mexikanische Regisseur Alonso Ruizpalacios nun die Ausbeutung von Arbeitsmigranten im hektischen Trubel eines New Yorker Restaurants auf. Die Dialoge, die auf Arnold Weskers Theaterstück von 1957 basieren, behalten einen starken theatralischen Charakter und werden von virtuoser Kameraführung sowie eindrucksvollen, eisigen Schwarz-Weiss-Bildern begleitet. Unruhig wie The Bear und nervenaufreibend wie Boiling Point liefert La cocina eine atemlose Darstellung der Küchenarbeit, die sie geschickt mit komplexen multikulturellen Turbulenzen und einer bissigen Kritik am amerikanischen Traum vermischt. Ein perfekter Auftakt für dieses Semester!
Sixtine Asselot