Wiseman dokumentiert die Generation des frühen Reagan-Booms in ihrer ganzen Vertikalität. Gedreht zwischen Thanksgiving und Weihnachten im Neiman-Marcus-Flagshipstore und der Konzernzentrale in Dallas, verewigt der Film den Höhepunkt des bürgerlichen Konsumismus der 1980er-Jahre.
Die Leitfigur des amerikanischen Direct Cinema arbeitet nach einem rein voyeuristischen Fly-on-the-Wall-Prinzip, ohne je am Verkauf teilzunehmen. Das Ergebnis ist ein Hybrid aus Narrativem und Dokumentarischem, der die Farce der Sitten und Gebräuche des reifen Kapitalismus offenlegen will. Indem er Clowns und Kundschaft, Chefetagen und Rolltreppen einander gegenüberstellt, verdichtet er eine ganze Gesellschaftsklasse zu einer einzigen Gebäude-Metapher. All das ist eingefangen in jener körnigen, rauen Filmtextur der 80er.Ein Monument für eine Ökonomie, die nicht mehr existiert, eingefroren im exakten Moment ihres Exzesses. Was Wiseman einfängt, ist nicht Kommerz, sondern Ritual: die Choreografie einer Klasse, die ihren eigenen Überfluss aufführt, blind dafür, dass die Aufführung das Produkt ist.
Pietro Grisanti