Iris (Toni Collette) ist eine schüchterne neue „Aushilfskraft“ bei einem sterilen Kreditunternehmen. Schnell wird sie von der zynischen Büro-Veteranin Margaret (Parker Posey) unter die Fittiche genommen. Iris schliesst sich ihr sowie den anderen Aushilfskräften Paula (Lisa Kudrow) und Jane (Alanna Ubach) in einer Routine aus dem Stempeln von Briefen, dem Kopieren von Akten und dem Abwarten der Uhr bis 17:00 Uhr an. Sie gelten als Aussenseiter des Unternehmens, werden tageweise befristet eingestellt und nach Lust und Laune entlassen. In dieser betäubenden Umgebung wird ihre Freundschaft zu einer stillen Rebellion, bis eine Reihe von Diebstählen im Büro die Kolleginnen zu Verdächtigen macht.
Jill Sprechers Clockwatchers entstand noch vor dem kulturellen Phänomen The Office und ist ein unterschätztes Juwel der Arbeitsplatzkomödie. Der Film behandelt die Bürostruktur selbst als Gegenstand eines trockenen Humors. Visuell ist die Ästhetik überraschend hell, mit klarer Kameraführung und leuchtenden Farben der 1990er Jahre, die ironischerweise im Kontrast zur erdrückenden Last dessen stehen, was wir heute als „Bullshit-Jobs“ bezeichnen. Weit mehr als die blosse Gesellschaftskritik ist der Film eine bissige Komödie über Entfremdung am Arbeitsplatz, kleinliche Demütigungen und die stille Würde, die in unerwarteten Freundschaften zu finden ist.
Sixtine Asselot