In Norditalien versammeln sich jedes Jahr im Mai Hunderte von Frauen, um auf den Reisfeldern zu arbeiten. Die Reisarbeiterinnen kommen aus ganz Italien und gehen den unterschiedlichsten regulären Berufen nach. Unter ihnen sind Francesca, eine Träumerin, die viel lieber Tänzerin wäre als Reisarbeiterin, und Silvana, die sich spontan den Reisarbeiterinnen anschließt, um der Polizei zu entkommen, nachdem ihr Freund Walter den von ihm gestohlenen Schmuck verstecken muss. In den Baracken neben den Reisfeldern begegnen Francesca und Silvana Marco, einem gutaussehenden Feldwebel, der dort mit der Armee stationiert war. Wir begleiten diese Figuren während der 40-tägigen Arbeitssaison und durch die damit verbundenen Konflikte um Recht, Loyalität und Liebe.
Schon bei der allerersten Einstellung von Riso Amaro – einem etwa zweiminütigen One-Take, der viele hundert Statisten an einem Bahnhof zeigt – wird deutlich, mit welcher perfekten Präzision Giuseppe De Santis dieses oft übersehene Meisterwerk des Neorealismus inszeniert. Der Film wurde vollständig vor Ort gedreht, und seine Magie entspringt in erster Linie der Gemeinschaft der Frauen. Es ist eine Geschichte über die Solidarität unter diesen Frauen und den Männern, die versuchen, sich zwischen sie zu drängen. Am deutlichsten wird dies durch das ständige Singen in der ersten Hälfte des Films, das in einer außergewöhnlichen Massenszene gipfelt, in der sich der gesamte Konflikt durch den Gesang entfaltet.
Christoph Bärtsch