Kino immer anders


Lulú Massa ist der produktivste Arbeiter in einer norditalienischen Fabrik und das Ideal des zeitgenössischen «Massenarbeiters». Um etwas dazu zu verdienen, setzen ihn die Bosse gerne an vielerlei Stellen ein, um dort die minimalen Produktionszeiten und somit die quotenbasierte Bezahlung der restlichen Arbeiterschaft zu verringern. Doch alles ändert sich, als Lulú bei einem Arbeitsunfall den Finger verliert. Plötzlich findet er sich zwischen den Meinungen der vor den Toren protestierenden Studenten, der Gewerkschaften, der Bosse und seinem eigenen Verlangen ohne eine klare Richtung wieder.

Elio Petri liefert hier den wohl pessimistischsten seiner Politthriller. Gedreht auf einem besetzten Fabrikgelände, zeigt der Film die Widersprüche des modernen (Arbeiter-)Lebens auf. Zwischen Arbeit auf Höchstgeschwindigkeit, konstantem Informationsfluss, Konsumdruck und Chauvinismus überzeugt der unnachahmliche Gian Maria Volonté mit einer Darbietung der Extreme. Einer der essentiellen Filme des nach dem Prager Frühling fragmentierten und desillusionierten linksgerichteten europäischen Kinos, mündete die Uraufführung von La classe operaia va in paradiso in Kontroversen: Einerseits gewann er den Grand Prix in Cannes, andererseits forderte manch Prominenz gar die Verbrennung des Negativs.

Leonidas Skopeteas


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