Thomas Ericsson ist Pfarrer einer kleinen Gemeinde im ländlichen Schweden. Seit dem Tod seiner Frau befindet er sich in einer tiefen Glaubenskrise und verliert das Gespür/Gefühl für seine Verbindung zu Gott. Der Glaube, der ihn stets geleitet hat, ist nun verschwunden und lässt ihn in einem Zustand äusserster Verletzlichkeit zurück. Unfähig seine Rolle als geistlicher Führer zu erfüllen wird er von einem ratsuchenden Gemeindemitglied konfrontiert. Dabei kann Ericsson nicht anders als seine Orientierungslosigkeit zu gestehen. Zugleich versucht er, eine Beziehung mit einer Frau zu navigieren. Mit ihr spürt er eine tiefe Verbundenheit und sie strebt danach ihm in seiner Krise Beistand zu leisten.
Licht im Winter ist Teil von Ingmar Bergmans Trilogie zum Thema des „Schweigen Gottes“ und zählt zu den bekanntesten Werken seiner Filmografie. Neben seiner beeindruckenden Schwarzweiss-Kinematografie, geschaffen von Bergmans langjährigem Kameramann Sven Nykvist, wird der Film vor allem für seine eindringliche Darstellung der religiösen Krise des Protagonisten geschätzt. Ericssons Leiden ist nicht nur auf die spirituelle Ebene beschränkt: Der Glaubensverlust bedeutet für einen Pfarrer die Unfähigkeit seinen Beruf ausüben zu können. Da er den Zugang zu Gott verliert, scheitert er daran, seiner Gemeinde weiterhin Orientierung zu geben. Die Feier der Messe wird zu einem sinnentleerten Ritual, während seine Berufung, die seine Identität stets geprägt hat, jegliche Bedeutung verliert. Indem Bergman einen Film über die Abwesenheit Gottes dreht, inszeniert er – vielleicht auch ungewollt – eine berufliche Krise und regt dazu an, über einen Beruf nachzudenken, der vollständig auf spirituellen Überzeugung beruht.
Dario Furlani