Temporär im Kino Riffraff


Von lauen Softpornos gelangweilt sucht Max nach neuem Material für seinen TV-Sender und wird bei einem Programm namens «Videodrome» fündig: Realistische Aufnahmen von Sex und Gewalt liefern den nötigen Kick. Erst das Mitwirken seiner Freundin Nicki (Musik-Ikone und «Blondie-Frontfrau» Debbie Harry) drängt ihn an seine Grenzen, steigert aber gleichzeitig seine Besessenheit mit «Videodrome». Immer häufiger verliert sich Max in wilden Halluzinationen, wobei auch mal ein Videoband qualvoll in den eigenen Bauch gezwängt wird.

 

Würde David Cronenbergs amüsant skurriler Kommentar zu einer technik- und sensationsbesessenen, überstimulierten und abgestumpften Konsumgesellschaft heute gedreht werden, wäre Max wohl nur einer von vielen, die pausenlos auf das eigene iPhone starren; und anstatt der verführerischen Nicki gäbe eine pragmatische Siri die Anweisungen zum Realitätsverlust durch. Sorgte das Werk des kanadischen Regisseurs 1983 noch für Zensur und schüttelnde Köpfe, scheint der Bodyhorrorstreifen heute aktueller denn je: Mensch und Technik verschmelzen in 80er Jahre Ästhetik zu einem neuen, monströsen Wesen, das immer weniger zwischen «Content» und Wirklichkeit zu unterscheiden weiss.

 

Alicia Schümperli


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